Schmuck – Geschichte – Handwerk

Ausgeschmückt.

(R)Evolution – Eine verschenkte Chance für mein Gesellenstück?

Auf einem Schmuck- und Goldschmiedeblog sollte das Wichtigste eigentlich nicht fehlen: Schmuck! Also starten wir direkt – und zwar mit meiner Gesellenprüfung und Gesellenstück!
Oder besser gesagt: Mit dem Stück, das es nicht in die Gesellenprüfung geschafft hat, aber trotzdem zum Leben erweckt wurde.


🛠️ Goldschmiede-Ausbildung: Zwei Vorschläge, eine Gesellenprüfung

Bevor wir uns hier hübschen Schmuck anschauen, noch etwas Geduld. Zu aller erst steht nämlich die Gesellenprüfung an bevor ein Lehrling zum Gesellen wird. Beim Goldschmied bedeutet das für gewöhnlich: Du planst zwei Stücke – Schmuck oder Objekt – von denen eines vom Prüfungskomitee ausgewählt wird. Dieses Werk musst du dann in maximal 32 Stunden umsetzen.

Vorteil:
Du planst deine eigene Prüfung. Du kennst deine Stärken und Schwächen am besten – und hast am Ende ein tolles Stück, das wirklich deins ist.

Nachteil:
Du planst deine eigene Prüfung. Wenn etwas schiefläuft, ist da kein Lehrer, kein Prüfer, niemand sonst auf den es geschoben werden kann – nur du.


📉 Es wird ernst: Eine Verkündung

Im Oktober 2022 war es dann soweit für mich: Zwei Mappen mit vollständiger Planung und Zeichnungen mussten abgegeben werden. Vorschlag A, (R)Evolution – wir mussten die guten Stücke natürlich auch benennen – und Vorschlag B, Mayday. Dann hieß es warten.
Fast vier Monate später – nur zwei Wochen vor der praktischen Prüfung – kam die ernüchternde Nachricht: Ich sollte Vorschlag B umsetzen. Mein Zweit- und vor allem nicht favorisierter Entwurf.

Höflich formuliert: Ich war wenig begeistert.


🔥 Trotz & Antrieb: Wie es doch noch zur (R)Evolution kam

Nach dem ersten Frustschock beschloss ich trotzig: Ich baue Vorschlag A dennoch. Nur jetzt eben in meiner Freizeit.

…und ich hatte mir gerade meine erste Perlenkette gekauft, aber noch keinen passenden Verschluss. Schon mal die Preise für Verschlüsse angeschaut?! Dystopisch. Und dann sind die ja nicht einmal hübsch! Naja, wenn ich schon die passende Ausbildung habe, dann wieso nicht einfach selber bauen?

Neugierig? Das hier…. ist Vorschlag A, (R)Evolution fertig…. nur etwas modifiziert.

📁 Die Mappe – ein Kunstwerk für sich

Da wir oft in kleinen Formaten arbeiten, habe ich meine Mappen in A3 gestaltet – Gegensätze sollen sich ja bekanntlich ergänzen. Die einzige Vorgabe war: tragbar sollte sie sein. Also keine Cover aus Eisenplatten – check! Inzwischen, so heißt es, wird auch noch angegeben die Mappen sollen „nicht zu groß“ sein… ich frage mich nur warum…

Das Front- und Backcover habe ich aus Buchbinderkarton gefertigt und mit Aquarelluniversen auf Büttenpapier bezogen. (Ich und der Fußboden meines Freundes war nach der Aktion ziemlich blau. Ich weiß schon warum ich das nicht bei mir daheim gemacht habe.)

Innen fanden sich:

  • Ein kleiner Comic,
  • handgeschnittene Passepartouts (ja, jeder einzelne von mir persönlich geschnitten – frag nicht was mich da geritten hat),
  • technische Zeichnungen,
  • Materiallisten,
  • Ablaufpläne,
  • Prüfprotokolle.

Bis zum letzten Augenblick habe ich (unerfolgreich) versucht unseren Lehrer zu überreden, dass Seitzenzahlen doch unflexibel, unschön und schon längst überholt sind. Mein Mut zur Lücke brachte mich dann zu einem Register (viiiiel schöner, flexibler und subtiler!) und was soll ich sagen, nach wie vor die bessere Variante.


⚙️ Goldschmiedisches – Technik hinter dem Kugelverschluss

Das Konzept ist simpel: Eine Kugel als Verschluss für eine Kette.

Es handelt sich um eine abgewandelte Version des klassischen Bajonettverschlusses – ohne Feder, dafür kombiniert mit einem Linsenschloss. Die Mechanik besteht aus Neusilber, das sich durch seine Rückfederung perfekt eignet.

In der größeren Ursprungsversion – hier aus Messing – waren zusätzliche „Schnubbis“ (kleine Einraster) geplant, aber in dieser kleineren Version (12 mm Durchmesser) waren sie nicht nötig. Das fertige Stück besteht aus:

  • Zwei Sphären,
  • einem Schließbalken
  • und dem „Donut“ (dem eigentlichen Verschlussmechanismus).

Der ursprüngliche Entwurf sah eine 25-mm-Kugel vor, mit einem Rohdiamanten als „Erdkern“ im Zentrum. Außen zieren comicartige Kontinente die Weltkugel.

Die Süßwasserzuchtperlkette (8 mm) ist komplett durchgeknotet und durch Ösen im Inneren an den Sphären befestigt. Ursprünglich war sie für eine mehrreihige Blaufluss-Kette gedacht – daher die Wahl von Neusilber, weil das Glasmaterial ziemlich schwer ist und Silber da schnell „aufgibt“.

Kleiner Geografie-Reminder:

Für diejenigen, die im Erdkundeunterricht nicht unbedingt die Aufmerksamsten waren: Der Schließbalken verjüngt sich und lässt die Sphären nur in eine Richtung zusammenpassen.

Für alle anderen: Afrika muss unter Europa liegen, um die Kugel korrekt zu verschließen.


🌍 Schmuckdesign mit Symbolik oder Warum eine Weltkugel?

Ich mag Kugeln. Einfach.

Die erste Auszubildende meiner Meisterin hatte schon ein Linsenschloss gebaut – und ihre Übungsstücke fielen mir immer wieder in die Hände. Ich liebe die Schlichtheit dieser Technik, die dennoch Präzision verlangt.

Und die Kugel passte perfekt zur Geschichte, die sich im Laufe der Planung entwickelte:


📖 Von Aliens & Evolution – Die Story hinter dem Schmuck

Weil die Planung von zwei Stücken und Ausarbeitung zweier Mappen offenbar noch nicht aufwendig genug war, habe ich mir auch noch zwei Comics ausgedacht – je einen pro Entwurf.

So entstanden die Charaktere Aah und Beh.
Aah ist ein mürrisches Alien, Beh ein fröhlicher Sonnenschein in Pink.

In der Story muss ihre Schulklasse kleine Planeten betreuen – wie eine Art intergalaktisches Tamagotchi. Der Planet mit der besten Entwicklung gewinnt. Aah ist enttäuscht von seinem „Matschklumpen“ mit einfältigen Lebensformen.

Also vernachlässigt er ihn – und verursacht dadurch (unabsichtlich) die Evolution. Aus Einzellern werden Menschen, die sich schließlich durch Revolutionen selbst zerstören.

Aah gewinnt den Wettbewerb natürlich nicht. Aber das ist am Ende auch nicht mehr wichtig.


😅 Eine Beichte, ein Missgeschick und ein Aha-Effekt

Ja, ich gestehe: Ich habe den Verschluss „falschherum“ gebaut.

Hierzulande öffnen sich die meisten Verschlüsse wie ein Flaschenverschluss – meine Weltkugel allerdings schließt genau in die entgegengesetzte Richtung.

Nachdem ich endlich verstanden hatte, warum ich beim Öffnen immer scheitere, war’s kein Problem mehr.
Aber wer das Ding zum ersten Mal benutzt… naja – es ist gewöhnungsbedürftig.


⏳ Fazit: Die Stunde der Wahrheit

Wo nun Gras und Blümchen über die ganze Sache gewachsen ist und mein Gesellenstück mir die ein oder andere Chance eröffnet hat, kann ich nun sagen: Ich bevorzuge immer noch die Weltkugel. Auch wenn ich meine Rakete schön finde und froh bin, sie gebaut zu haben, würde ich die Weltkugel öfter tragen.

Das Konzept der Kugel ist einfach faszinierend – wie etwas so Simples so viele kreative Möglichkeiten bieten kann. Und auch wenn Kugeln angeblich schwieriger zu machen sind: Für mich war die Weltkugel definitiv einfacher als meine Rakete!


🌍 So, Kugel geschlossen, Geschichte erzählt.

Falls du jetzt auch Lust auf ein bisschen (R)Evolution im Schmuckkästchen hast – oder einfach ein paar Gedanken 💭, Fragen ❓ oder Lob 💬 loswerden willst: Ich freu mich über jeden Kommentar! ✨😊


Kommentar verfassen

KLOPF, KLOPF!

It’s me, Kira!

Willkommen in meiner kleinen Welt aus Gold, Glanz und gelegentlich auch Glitzerchaos.

Ich bin eine leidenschaftliche Goldschmiedin mit Hang zu schönen Steinen und schrägen Schmuckgeschichten – hier wird gehämmert, gelötet, gelacht, gelernt, gestaunt.


Alles, was nicht aufs Werkbrett gehört, aber trotzdem gesagt werden will. Hallos, Ankündigungen, Mitteilungen. Das was sonst in Briefumschlägen kommt.

More glittery goodness!


Entdecke mehr von Ausgeschmückt.

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen